Okt 262015
 

Bericht über das Arbeitstreffen des Wundstammtisches am 14.10.2015 in Kiel

Versuchsaufbau von Werner SellmerCa. 50 Teilnehmer fanden sich zum letzten Wundstammtisch dieses Jahres im Bildungszentrum des Städtischen Krankenhauses in Kiel ein, zu einer Veranstaltung, die gemeinsam mit dem Wundnetz Kiel e.V. organisiert und durchgeführt wurde. Wer ein herkömmliches Referat mit PowerPoint-Präsentation und Erklärungen erwartete, wurde angenehm überrascht. Referent Werner Sellmer, Fachapotheker für klinische Pharmazie und Vorstandsmitglied des Wundzentrum Hamburg e.V., präsentierte stattdessen einen beeindruckenden Versuchsaufbau, um Wundmaterialien der unterschiedlichen Herstellerfirmen hinsichtlich ihrer Leistungsfähigkeit zu testen. Im Live-Experiment demonstrierte er nachfolgend die messbaren Unterschiede der vom Publikum ausgewählten Wundauflagen.


Den Hintergrund für das Live-Exeperiment stellte die Problematik der optimalen Versorgung von Patienten mit dem Krankheitsbild eines Ulcus cruris venosum. Ein überwiegender Anteil der chronischen Wunden ist hier einzuordnen und zwingend unter Kompression zu therapieren. Aber welche Wundauflage ist unter einer Kompression von ca. 40 mm/Hg Druck geeignet? Wie gestaltet man das Exsudatmanagement unter diesen Bedingungen? Wie häufig kann oder muss der Verband unter Kompression gewechselt werden? Wie kann eine Mazeration der umliegenden Haut verhindert werden? Wie versorge ich in der Entstauungs- und Exsudationsphase optimal? Wann ist eine Wundauflage unter diesen Bedingungen wirtschaftlich? Diese und andere Fragen wurden im Laufe des Abends durch Werner Sellmer anschaulich und eindrucksvoll beantwortet.

Das Experiment

1. Testung der Aufnahmekapazität verschiedener Wundauflagen ohne Druck
2. Testung der Aufnahmekapazität dieser Wundauflagen unter Druck von 40 mm/Hg (Kompressionsklasse 3)

Getestet wurden folgende Produktgruppen:

  • PU-Schäume
  • Alginate
  • Hydrofaser – Wundauflagen
  • Superabsorber

Wundauflagen der Größen 10 x 10 cm wurden in standardisierten Wannen mit einem Exsudatersatz von 0.9% NaCl (eingefärbt mit Lebensmittelfarbe in Rot) jeweils zu gleichen Teilen getränkt. Jedes Produkt wurde einmal ohne und mit Druck gemessen. Um einen realistischen Druck einer Kompressionsklasse 3 auf 10 x 10 cm zu erreichen, wurden die Wundauflagen mit einem Gewicht von 5 kg beschwert.

Nach einem Zeitraum von ca. 5 min wurde das überschüssige „Exsudat“ über einen Ablaufhahn in einem Messbecher abgefüllt. Die Aufsaugkapazität konnte durch die Differenz der zugeführten Menge und der Ablaufmenge ermittelt werden.

In der Reihenfolge der Testung haben sich die Superabsorber mit 91,8 ml ohne Druck und 49,3 ml unter Druck als absolute Sieger herausgestellt.

Detaillierte Ergebnisse der Experimente sind nachzulesen unter → www.wundquartett.de -„Was kostet Exsudatmanagement?“ und unter → www.werner-sellmer.de.

Wirtschaftlichkeitsberechnung

Interessant war nun natürlich auch die Berechnung der Wirtschaftlichkeit der einzelnen Wundauflagen. Dazu wurden die Kosten pro g/ml Exsudat gegenübergestellt. Im Ergebnis konnte festgestellt werden, dass

  • unter Druck die Superabsorber mit 0,08 € am wirtschaftlichsten,
  • PU-Schäume mit 0.29 € bei geringem bis mittleren Exsudat noch wirtschaftlich und
  • Alginate (0,72 €) und Hydrofasern (0.58 €) im reinen Preis-Leistungsverhältnis unwirtschaftlich sind.

In der Präsentation von Herrn Sellmer wurde weiterhin über die Testung der Retention (vertikale Aufnahmefähigkeit) berichtet. Es sollten Rückschlüsse darüber gezogen werden, ob der Wundrand unter Druck bei den entsprechenden Wundauflagen trocken und geschützt bleibt. Hier erwies sich als Testsieger der Superabsorber gefolgt von der Hydrofaser.

Werner Sellmer wies darauf hin, dass es sein Wunsch wäre, dass solche Testungen auch von unabhängigen Institutionen durchgeführt werden sollten. Ebenso wie die Wirtschaftlichkeitsberechnungen der einzelnen Produkte. Er warnte davor, Wundversorgungsprodukte ausschließlich nach dem Preis auszuwählen.

→ Zusatzinfo zum Downloaden

Und sonst noch…

Mike Zielonka informierte über den ICW/EWMA Kongress vom 11.-13.05.2016 in Bremen. Alle Infos zu Teilnahmegebühren, Ermäßigungen für ICW-Mitglieder, Fortbildungspunkte und zum Programm sind zu finden unter → www.deutscherwundkongress.de.

Axel Bethke informierte über die nächsten Termine des Wundnetzes:

• 12.11.2015 Anti-Dekubitus-Tag in Kiel (Cittipark Kiel von 11.00 – 17.00 Uhr)
• 10.02.2016 19. Veranstaltung des Wundnetzes Kiel (Atlantic Hotel, Kiel)
• 02.03.2016 8. Kieler Wundsymposium (Bürgerhaus Kronshagen)

Impressionen