Am 17. Dezember 2025 trafen sich im digitalen BVMed-Format “Eine Stunde Wunde” wieder Experten aus Medizin, Pflege und Versorgung, um über ein Thema zu sprechen, das in der täglichen Praxis oft unterschätzt wird: die Versorgung des Ulcus cruris venosum. Ausgangspunkt war das Forschungsprojekt ULCUS CRURIS CARE vom Universitätsklinikum Heidelberg, dessen Ergebnisse Thomas Fleischhauer, wissenschaftlicher Mitarbeiter an dem Klinikum, vorstellte – mit klaren Botschaften und konkreten Lösungsansätzen.

Alarmierende Bestandsaufnahme: Fehlversorgung ist Realität

Chronisch venöse Ulzera machen den Großteil der chronischen Wunden im unteren Beinbereich aus. Sie beeinträchtigen Lebensqualität, kosten Zeit und Ressourcen – sowohl beim Betroffenen als auch im Gesundheitssystem. Trotz klarer Leitlinien werden sie in der Praxis oft nicht kausal behandelt. Laut Analyse erhielten innerhalb der ersten 90 Tage nach Diagnosestellung weniger als die Hälfte der Betroffenen ein Kompressionsmittel, und nur rund 14 % eine konsequente, regelmäßige Kompressionstherapie. Operative Behandlungen wie Stammveneneingriffe spielen praktisch keine Rolle. Mehr als 80 % der Patienten erhalten derzeit keine kausal orientierte Versorgung – ein dramatisches Versorgungsdefizit.

Was sagt das Projekt „Ulcus Cruris Care“?

Das GBA-Innovationsfondsprojekt hat sich zum Ziel gesetzt, die ambulante Versorgung des Ulcus cruris zu verbessern und praktikable Lösungswege für die hausärztliche Praxis zu entwickeln. Wesentliche Erkenntnisse:

1. Strukturiertes Case-Management ist ein zentraler Erfolgsfaktor
Eine koordinierte Betreuung durch Ärzte und Pflege – mit klaren Abläufen und Verantwortlichkeiten – kann den Therapieverlauf maßgeblich verbessern.

2. Kompressionstherapie konsequent umsetzen
Die Umsetzung der Kompression als wichtigste kausale Therapie muss frühzeitig und kontinuierlich erfolgen. Ohne sie drohen lange Heilungsdauern und wiederkehrende Rezidive.

3. Schulung und Wissensaufbau sind essenziell
Ein zentrales Ergebnis des Projekts: Schulungsmaßnahmen für Versorger sind nicht nur hilfreich, sondern notwendig, um bestehende Wissens- und Kompetenzlücken zu schließen. Unterstützend eingesetzt werden sollen Informationsmaterialien und E-Learning-Formate.

Was bringt das in der Praxis?

Die Vorteile einer optimierten Versorgungsstruktur liegen auf der Hand:

  • Bessere Wundheilung und Lebensqualität für den Patienten
  • Reduzierte Behandlungsdauer und geringere Rezidivraten
  • Direktes Einsparpotenzial für die GKV von ca. 1.400 – 1.600 € pro Behandlungsfall
  • Nachhaltigere Nutzung von Ressourcen in Praxis und Pflege

Zudem zeigte ein Pilotprojekt im Rahmen der Studie bereits deutliche Verbesserungen bei der Organisation der Versorgung in der hausärztlichen Praxis.

Jetzt anpacken – mit System

Die Diskussion bei Eine Stunde Wunde machte eines klar: Chronische venöse Ulzera sind kein Randphänomen, sondern ein Versorgungsproblem mit hoher Relevanz für Patienten, Ärzte und Pflegekräfte. Die Ergebnisse von Ulcus Cruris Care liefern konkrete Bausteine, um Versorgungslücken zu schließen – aber sie erfordern Engagement und strukturelle Anpassungen in der täglichen Praxis.

Ein besseres Case-Management, klare Koordination und gezielte Weiterbildung sind die Stellschrauben, an denen jedes Praxis- und Pflegeteam ansetzen kann, um die Versorgung von Menschen mit Ulcus cruris nachhaltig zu verbessern.

pi BVMed, 18,12.2025