Diabetische Fußulzera zählen zu den schwerwiegendsten Komplikationen des Diabetes mellitus. Trotz leitliniengerechter Standardtherapie aus Debridement, Infektionskontrolle, Druckentlastung und moderner Wundversorgung bleibt ein relevanter Anteil der Ulzera chronisch – insbesondere bei eingeschränkter Durchblutung. Für diese Patientengruppe werden ergänzende Therapieoptionen zunehmend relevant.
Evidenzlage in Kürze
Eine randomisierte, kontrollierte Studie zeigte, dass die intermittierende topische Sauerstofftherapie zusätzlich zur Standardversorgung die Heilung moderat ischämischer diabetischer Fußulzera signifikant verbessern kann.
Zentrale Ergebnisse
Nach 12 Wochen erreichten 39 % der Patienten unter intermittierender topischer Sauerstofftherapie eine vollständige Wundheilung, während in der Kontrollgruppe mit Scheinbehandlung keine vollständige Heilung beobachtet wurde. Der Unterschied war statistisch signifikant. Damit liefert die Studie wichtige Evidenz für den Einsatz dieser Therapieform bei therapieresistenten, moderat ischämischen Ulzera.
Wirkprinzip
Die intermittierende topische Sauerstofftherapie kombiniert mehrere therapeutisch relevante Effekte:
- Erhöhung der lokalen Sauerstoffkonzentration im Wundbett auch bei eingeschränkter Perfusion
- Zyklische Druckveränderungen, die Mikrozirkulation und Lymphabfluss fördern
- Aufrechterhaltung eines feuchten Wundmilieus zur Unterstützung von Granulation, Angiogenese und Epithelisierung
Durch diese multimodale Wirkung werden zentrale pathophysiologische Faktoren chronischer Wunden wie Hypoxie, Ödem und persistierende Entzündung gezielt adressiert.
Bedeutung für die Versorgungspraxis
Die intermittierende topische Sauerstofftherapie stellt eine sinnvolle Ergänzung zur Standardtherapie dar, wenn bei moderat ischämischen diabetischen Fußulzera trotz optimaler Versorgung kein ausreichender Heilungsfortschritt erreicht wird. Die Therapie ist ambulant einsetzbar und kann in bestehende interdisziplinäre Behandlungskonzepte integriert werden. Sie ersetzt keine leitliniengerechte Basistherapie, sondern erweitert diese gezielt bei stagnierendem Verlauf.
Erstattungsfähigkeit in der GKV – aktueller Stand
Die intermittierende topische Sauerstofftherapie ist derzeit in Deutschland noch keine reguläre Leistung der Gesetzlichen Krankenversicherung. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat jedoch ein Bewertungsverfahren zur lokalen Sauerstofftherapie bei diabetischen Fußulzera eingeleitet. Ziel ist die Prüfung einer möglichen Aufnahme in den Leistungskatalog der GKV. Bis zum Abschluss dieses Verfahrens erfolgt eine Kostenübernahme in der Regel nur im Einzelfall nach Antragstellung bei der jeweiligen Krankenkasse und entsprechender medizinischer Begründung. Weitere Informationen finden sich auf der Website des G-BA (siehe: “Wird die lokal-hyperbare Sauerstofftherapie bei diabetischem Fußulkus Kassenleistung?”).
Kurz gesagt
Die intermittierende topische Sauerstofftherapie ist ein evidenzbasierter, ergänzender Therapieansatz zur Behandlung moderat ischämischer diabetischer Fußulzera. Studien zeigen eine signifikant höhere Heilungsrate im Vergleich zur alleinigen Standardversorgung. Vor dem Hintergrund der laufenden Bewertung durch den G-BA könnte diese Therapie künftig eine größere Rolle in der strukturierten Versorgung komplexer diabetischer Fußwunden einnehmen.
Quelle: The Diabetic Foot Journal, 17.12.2025



