Kavitäre Wunden gehören zu den anspruchsvollsten Wundformen in der täglichen Versorgung. Sie sind häufig tiefreichend, schwer einsehbar und mit einem erhöhten Risiko für Komplikationen verbunden. Trotz ihrer klinischen Relevanz fehlten bislang einheitliche Definitionen und klare Handlungsempfehlungen für den interdisziplinären Versorgungsalltag von Ärzten, Wundexperten und Pflegefachkräften.

Kavitäre Wunden verstehen: Definition und Abgrenzung

Kavitäre Wunden sind Wunden, bei denen sich ein Hohlraum gebildet hat. In der klinischen Praxis wird häufig zwischen flachen und tiefen Hohlraumwunden unterschieden. Als relativ flach gelten Hohlraumwunden mit einer Tiefe von weniger als 2 cm bis zum Wundgrund. Tiefe kavitäre Wunden reichen über 2 cm hinaus und gehen nicht selten mit freiliegenden anatomischen Strukturen wie Faszien, Sehnen, Muskeln oder Knochen einher.

Bislang existierten weder eine allgemein akzeptierte Definition noch ein standardisiertes Vorgehen für die Versorgung dieser Wunden. Entsprechend unterschiedlich fallen Diagnostik, Beurteilung und Therapie im Versorgungsalltag aus.

Internationaler Expertenkonsens

Im September 2024 kam in London eine internationale Expertengruppe aus Medizin, Wundmanagement und Pflege zusammen. Ziel des Treffens war es, klinische Erfahrungen zu bündeln, bestehende Herausforderungen zu diskutieren und eine gemeinsame fachliche Grundlage für den Umgang mit kavitären Wunden zu schaffen.

Die Experten einigten sich auf folgende Definition:

Definition Hohlraumwunde:

Eine Wunde, die sich bis in die darunterliegenden subdermalen Schichten und Strukturen wie Faszien, Sehnen, Muskeln oder Knochen erstreckt.

Diese Definition soll es allen an der Wundversorgung beteiligten Berufsgruppen erleichtern, kavitäre Wunden eindeutig zu identifizieren, korrekt zu klassifizieren und gezielt zu behandeln.

Unterschiedliche Ursachen – gemeinsame Herausforderungen

Kavitäre Wunden können bei einer Vielzahl von Grunderkrankungen und klinischen Situationen auftreten. Dazu zählen unter anderem:

  • Ulcus cruris unterschiedlicher Genese
  • Diabetische Fußulzera
  • Dekubitalulzera
  • Chirurgische Wunddehiszenzen

Gerade bei chronischen und komplexen Wunden ist die zuverlässige Erkennung von Hohlräumen anspruchsvoll. Eine unzureichende Einschätzung der Wundtiefe oder des Exsudatverhaltens kann den Heilungsverlauf erheblich beeinträchtigen. Für Ärzte, Wundexperten und Pflegefachkräfte sind daher klare, praxisorientierte Leitlinien von zentraler Bedeutung.

Best Practice als Unterstützung für die Praxis

Auf Basis der Expertenrunde wurde eine Best-Practice-Erklärung erarbeitet, die als praxisnaher Leitfaden für die interdisziplinäre Wundversorgung dient. Das Dokument adressiert zentrale Aspekte im Umgang mit kavitären Wunden:

  • Überblick und standardisierte Definitionen kavitären Wunden
  • Besondere klinische und pflegerische Überlegungen bei Hohlraumwunden
  • Exsudatmanagement und Infektionskontrolle
  • Auswahl geeigneter Wundauflagen und Füllmaterialien
  • Patientenbezogene Faktoren und individuelle Therapieentscheidungen

Ergänzend enthält das Dokument ein Glossar, das zentrale Begriffe erläutert und zur Vereinheitlichung der Fachsprache beiträgt. Dies unterstützt insbesondere die interprofessionelle Zusammenarbeit und erleichtert die Kommunikation zwischen Medizin und Pflege.

Die in London erarbeiteten Definitionen und Best-Practice-Empfehlungen schließen eine wichtige Lücke in der Versorgung kavitären Wunden. Sie bieten Ärzten, Wundexperten und Pflegefachkräften eine gemeinsame fachliche Grundlage, erhöhen die Sicherheit im klinischen Handeln und tragen dazu bei, die Behandlungsqualität und die Heilungschancen für Patienten nachhaltig zu verbessern.

Hier kann →das Best-Practice-Dokument als PDF heruntergeladen werden (engl.)

Quelle: Wounds|UK, 10.04.2025