Postoperative Wundinfektionen sind im klinischen Alltag nichts Ungewöhnliches. Doch sobald multiresistente Erreger (MRE) beteiligt sind, verschiebt sich die Situation deutlich: Verläufe werden zäher, therapeutische Optionen enger und die Anforderungen an das gesamte Behandlungsteam steigen spürbar. Für Ärzte, Pflegekräfte und Wundexperten bedeutet das vor allem, konsequent, strukturiert und vorausschauend zu handeln – denn halbherzige Maßnahmen rächen sich bei diesen Infektionen schnell.

Der entscheidende erste Schritt: saubere Diagnostik

Am Anfang jeder erfolgreichen Therapie steht eine verlässliche Diagnostik. Gerade bei MRE ist es entscheidend, den Erreger und sein Resistenzprofil genau zu kennen. In der Praxis scheitert das jedoch häufig an unzureichend gewonnenem Probenmaterial. Oberflächliche Abstriche liefern oft nur die Begleitflora, nicht aber den tatsächlich verantwortlichen Keim.

Hier kommt der Pflege und den Wundexperten eine zentrale Rolle zu. Wer täglich an der Wunde arbeitet, entscheidet indirekt über die Qualität der Diagnostik. Tief gewonnene Abstriche oder Gewebeproben, korrekt entnommen und zügig transportiert, sind die Grundlage für jede weitere therapeutische Entscheidung. Ohne diese Basis bleibt jede Antibiotikatherapie ein Blindflug [1].

Antibiotika: gezielt, angepasst und kritisch begleitet

Sobald ein Erregernachweis mit Antibiogramm vorliegt, beginnt die eigentliche Herausforderung. Anders als bei unkomplizierten Infektionen ist bei MRE eine breit angelegte empirische Therapie selten zielführend. Stattdessen geht es darum, so schnell wie möglich auf eine gezielte, möglichst schmale Therapie umzustellen.

Für das Behandlungsteam bedeutet das ein kontinuierliches Mitdenken. Antibiotikatherapien sind keine statischen Verordnungen, sondern dynamische Prozesse. Anpassungen an neue Befunde, das frühzeitige Erkennen von Nebenwirkungen und die kritische Bewertung des Therapieverlaufs gehören zum Alltag.

Pflegekräfte tragen hier wesentlich zum Erfolg bei. Sie sind es, die Veränderungen zuerst bemerken – sei es eine Verschlechterung des Allgemeinzustands, unerwartete Nebenwirkungen oder ausbleibende lokale Besserung. Diese Beobachtungen müssen aktiv kommuniziert werden, denn sie beeinflussen die weitere Strategie maßgeblich.

Ohne konsequentes Wundmanagement keine Heilung

So wichtig die systemische Therapie ist – bei MRE-Infektionen entscheidet letztlich die lokale Situation über den Erfolg. Nekrotisches Gewebe, Biofilme oder schlecht drainierte Areale bieten ideale Bedingungen für resistente Keime. Solange diese Strukturen bestehen, bleiben auch die besten Antibiotika begrenzt wirksam.

Deshalb ist ein aktives, oft auch wiederholtes chirurgisches Wundmanagement unverzichtbar. Débridement, Spülung und gegebenenfalls operative Revision sind keine Eskalation, sondern integraler Bestandteil der Therapie.

Für Wundexperten bedeutet das, den Verlauf kritisch zu hinterfragen. Eine Wunde, die über Tage stagniert oder sich verschlechtert, braucht keine „optimierte Verbandlösung“, sondern eine grundsätzliche Neubewertung. Hier ist es entscheidend, frühzeitig das ärztliche Team einzubinden und auf notwendige Maßnahmen hinzuweisen.

Moderne Wundtherapie: sinnvoll, aber nicht isoliert

Antiseptische Lösungen, silberhaltige Verbände oder Unterdrucktherapie haben ihren festen Platz im Behandlungskonzept. Richtig eingesetzt können sie die Keimlast reduzieren und die Wundheilung unterstützen.

Problematisch wird es, wenn diese Maßnahmen als Ersatz für kausale Therapie verstanden werden. Kein Verband der Welt kann nekrotisches Gewebe kompensieren oder eine unzureichende chirurgische Sanierung ausgleichen. Moderne Wundtherapie wirkt nur dann, wenn sie in ein stimmiges Gesamtkonzept eingebettet ist [2].

Hygiene als therapeutischer Faktor

Bei MRE ist Hygiene kein „Add-on“, sondern integraler Bestandteil der Behandlung. Jede Keimverschleppung, jede Kreuzkontamination kann den Verlauf verschlechtern oder neue Infektionsketten auslösen.

Im Alltag bedeutet das konsequentes Arbeiten ohne Ausnahmen:

  • strikte Händedesinfektion vor und nach jedem Kontakt
  • Schutzkleidung bei Verbandwechsel
  • patientenbezogene Materialien verwenden
  • korrekte Entsorgung kontaminierter Materialien

Auch kleine Nachlässigkeiten können zur Weiterverbreitung führen. 

Kommunikation: der oft unterschätzte Erfolgsfaktor

Ein wesentlicher Unterschied zwischen erfolgreichen und frustranen Verläufen liegt in der Qualität der Zusammenarbeit. MRE-Infektionen erfordern ein eng abgestimmtes Vorgehen zwischen Pflege, Wundmanagement, Ärzten, Hygiene und gegebenenfalls Infektiologie.

Essentiell ist:

  • klare Dokumentation (Wundstatus, Maßnahmen, Verlauf)
  • strukturierte Übergaben
  • frühzeitige Einbindung von Spezialisten (Infektiologie, Hygiene, Chirurgie)

Wundexperten übernehmen hier oft eine Schlüsselrolle als Schnittstelle zwischen Pflege und ärztlichem Dienst.

Typische Fehler – und wie man sie vermeidet

  • Zu spätes Handeln: Wundverschlechterung wird „beobachtet“ statt interveniert
  • Ungezielte Antibiotikatherapie: ohne klare mikrobiologische Basis
  • Unterschätzte Hygiene: inkonsequente Umsetzung im Alltag
  • Mangelnde Kommunikation: Informationen gehen verloren

Aktiv handeln statt abwarten

Postoperative Wundinfektionen mit multiresistenten Erregern sind keine Routinefälle. Sie verlangen Aufmerksamkeit, Konsequenz und die Bereitschaft, frühzeitig zu handeln.

Für Pflegekräfte und Wundexperten bedeutet das, eine aktive Rolle einzunehmen: Veränderungen erkennen, hinterfragen und kommunizieren. Nicht jede stagnierende Wunde ist komplex – aber jede komplexe Wunde beginnt mit einer Phase, in der zu lange gezögert wurde.

Der Therapieerfolg hängt daher nicht nur von der Wahl des richtigen Antibiotikums ab, sondern maßgeblich von der Qualität der täglichen Versorgung und der Zusammenarbeit im Team.


Quellen

[1] Empfehlungen der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) am Robert Koch-Institut: Prävention postoperativer Wundinfektionen
[2] AWMF S3-Leitlinie: Lokaltherapie chronischer Wunden

Diesen Beitrag teilen!