Jun 222015
 
Ulrike Bergjohann

Ulrike Bergjohann

Frau Bergjohann entführt die Experten in die Welt der Patienten

Am 3. Juni 2015 fand die 18. Veranstaltung des Wundnetz Kiel e.V. im Hotel Atlantik Kiel statt.

Referentin war Frau Ulrike Bergjohann aus Rheinland-Pfalz mit dem Thema „Hygiene aus der Sicht des Patienten“. Fachlich kompetent entführte die ehemalige Mikrobiologielaborantin und jetzige Wundpflegemanagerin die Teilnehmer in die Welt der Sporen und Keime. Auch wenn Experten im Allgemeinen nur die fachliche Perspektive eines Experten einnehmen, gelang es der Sprecherin, das Bewusstsein für die Sichtweise der Hauptpersonen in der Wundversorgung zu öffnen, nämlich die der Patienten.

Frau Bergjohann veranschaulichte die hohen Auflagen von kostenlosen Kundenzeitschriften (z.B. „Apothekenumschau“) und die enormen Einschaltquoten von Fernsehserien (wie „Bergdoktor“, „Landarzt“ u.ä.), die neben Gesprächen in Wartezimmern und mit anderen Betroffenen letztendlich den Patienten häufig zum Thema Wundversorgung als Informationsquelle dienen und als „real“ und „richtig“ deklariert werden. An einem konkreten Beispiel wurde z.B. den Zuschauern in einer beliebten Vorabendserie suggeriert, dass ein traumatisch verletzter diabetischer Fuß nach einem sogenannten „Kleopatra“-Fußbad schneller heilt. Artikel wie „Leitungswasser genügt zur Wundreinigung“ in der Apothekenumschau, in dem behauptet wird, dass sogar das Leitungswasser im Vergleich der physiologischen Kochsalzlösung überlegen sei, tun ihr Übriges.


Die zum Teil cartoonierten Darstellungen nahmen die Zuhörer auf eine kurzweilige und amüsante Weise mit in die Perspektive der Betroffenen, der Patienten. Nickende und z.T. belustigte Zustimmung fanden viele Thesen der Sprecherin bei den Anwesenden („Waschlappen hell für oben, Waschlappen dunkel für unten“), die zeigten, dass sie in ihrer Beratung von ambulanten Pflegediensten und Kliniken aus eigener Erfahrung berichtet und die Begebenheiten und Herausforderungen in der pflegerischen Praxis sehr gut kennt. Darüber hinaus informierte sie fachkompetent über die mikrobiellen Hintergründe („4 Mio. Keime/ml Wringwasser aus Waschlappen) und erklärte den Zuhörern mögliche Zusammenhänge („Haben Sie schon einmal versucht, sich am Waschbecken untenrum zu waschen, ohne dass Wasser ihr Bein herunter läuft?“)

Geschickt manövrierte Frau Bergjohann die Thematik über die Hygienesicht des Patienten hin zu dessen Umfeld, zu den Menschen, die am Patienten arbeiten. Sie sensibilisierte die Teilnehmer Hygienerichtlinien einzuhalten und diese nicht durch z.B. das Nutzen digitaler Geräte wie Smartphones zu unterbrechen und untermauerte dies mit Zahlen über nachgewiesenen Keime auf solchen Geräten.

Die Zuhörer lernten Dinge, wie z.B. der AQL (Acceptable Quality Level) ihrer Handschuhe zu sein hat, um sicher zu gehen, dass diese keine hochprozentige Fehlerquote aufweisen. Sie erfasste die Transferhäufigkeiten von Erregern bei Kontakt mit Patienten und dessen Umfeld und mahnte am Schluss ihres 90 minütigen Vortrags, dass die Einhaltung der Hygienerichtlinien in der Praxis noch immer optimiert werden könne.

Nach dem offiziellen Teil des Vortrags konnten die Anwesenden noch einiges über die Hygiene des Trinkwassers in Deutschland lernen, z.B. dass laut Trinkwasserverordnung pro ml Wasser 100 Keimbildende Einheiten sein dürfen und dass diese Wundpatienten sehr wohl bei Kontakt Probleme bereiten können. Frau Bergjohann informierte über den profitablen Einsatz von Sterilfiltern und erklärte deren Technik. Sie verblieb mit dem Angebot der individuellen Beratung und Schulung.

Nach den wirklich informativen und aufrüttelnden Worten und der anschließenden Diskussion, informierte der zweite Vorsitzende Axel Bethke noch kurz über einige Info´s aus der Verbandarbeit. Die folgenden Standards werden für das Wundnetz Kiel freigegeben:

  • Information – Negativprodukte und Methoden in der Behandlung chronischer Wunden
  • Checkliste – Schmerzerfassung bei chronischen Wunden
  • Empfehlung – Hautpflege und Hautschutz bei chronischen Wunden

Axel Bethke bedankt sich beim Wundzentrum Hamburg dafür das ihre Standards auch vom Wundnetz Kiel genutzt werden dürfen.
Als nächstes werden die folgenden Standards darauf geprüft, ob sie den Kriterien der Mitglieder und den Kieler Rahmenbedingungen entsprechen (Behandlungsstandard-chronische Wunden in der Diabetologie / Checklisten-chronische Wunden in der Diabetologie / Verfahrensstandard-Rezidivprophylaxe von chronischen Wunden in der Diabetologie / Informationen-Druckentlastung beim DFS)

Danach teilte Axel Bethke noch Termine für 2015 mit:

  • 14.10.15 nächstes Treffen des Wundnetzes in Kooperation mit dem Kieler Wundstammtisch
  • 12.11.15 Antidekubitustag im Citti-Park

Zum Abschluss wurden alle Teilnehmer zu einem kleinen Imbiss und noch netten Gesprächen eingeladen. (Gesine Guhde-Speil)

Vortrag zum Download hier… »