Hautrisse (Skin Tears) sind traumatische Verletzungen der Haut, die besonders bei Älteren mit fragiler, dünner Haut häufig auftreten. Sie verursachen Schmerzen, verlängern oft die Hospitalisierung und erhöhen den Pflegeaufwand.

Die aktuellen Leitlinien des International Skin Tear Advisory Panel (ISTAP) 2025 geben evidenzbasierte Empfehlungen für Prävention, Assessment und Therapie von Hautrissen.

Was sind Hautrisse?

ISTAP hat eine aktualisierte Definition entwickelt, die berücksichtigt, dass neben systemischen Faktoren auch die Wundtiefe zum Schweregrad beiträgt. 

„Ein Hautriss ist eine traumatische Wunde, die durch mechanische Einwirkungen, wie z. B. das Entfernen von Klebstoffen und die Patientenversorgung, verursacht wird. Die Tiefe der Wunde kann variieren (sie reicht jedoch nicht bis in die Subkutis.“
(IWII, 2025)

ISTAP unterscheidet:

  • Unkomplizierte Hautrisse: heilen meist innerhalb von etwa 4 Wochen.
  • Komplizierte Hautrisse: dauern länger und treten häufiger bei Patienten mit vaskulären Erkrankungen, Diabetes oder Entzündungen auf.

Die Wundtiefe beschreibt das Ausmaß der Gewebeschädigung in den anatomischen Hautschichten – Epidermis, Dermis und Subkutis (Hypodermis) – und gibt keine spezifische Dicke an. Reicht eine Wunde über die Subkutis hinaus, gilt sie nicht mehr als Hautriss. Die Wundtiefe variiert je nach Körperstelle und Alter des Patienten (z. B. kann dünne Haut an den Schienbeinen bedeuten, dass ein Hautriss zwar nicht tief, aber dennoch schwerwiegend ist). Der Schweregrad von Hautrissen hängt außerdem vom Entzündungsgrad, der Blutungsmenge (falls vorhanden) und der Größe des Risses ab.

Hautrisse an der unteren Extremität und/oder bei Patienten mit mehreren Begleiterkrankungen (z. B. peripherer arterieller Verschlusskrankheitoder Diabetes), die den normalen Heilungsverlauf beeinträchtigen, gelten als kompliziert. Ältere Patienten neigen zudem eher zu Infektionen, einer weiteren Komplikation von Hautrissen.

Risikofaktoren erkennen und Prävention stärken

Die ISTAP-Leitlinien betonen die Primärprävention bei:

  • älteren und/oder sehr dünnen sowie auch bei. adipösen Patienten,
  • eingeschränkter Mobilität,
  • kognitiven Beeinträchtigungen sowie bei
  • Polypharmazie, die Hautintegrität oder Sturzrisiko beeinflussen kann.

Ein effektiver Ansatz ist der Einsatz sogenannter „Skin Care Bundles“ – Kombinationen bewährter Hautpflege- und Schutzmaßnahmen, die nachweislich das Auftreten von Hautrissen reduzieren.

Hautpflege optimieren

ISTAP empfiehlt:

  • Sanfte Reinigung: pH-neutrale, hautfreundliche Produkte statt aggressiver Seifen.
  • Regelmäßiges Eincremen, idealerweise zweimal täglich.
  • Schonende Behandlung der Haut: Abtupfen statt Reiben, ggf. „Waschen ohne Wasser“, d.h. die Verwendung spezieller, mit Reinigungslotion getränkter Einweg-Waschhandschuhe, Waschtücher oder Shampoo-Hauben, die eine sanfte, hygienische Reinigung ohne Abspülen ermöglichen.

Manche Feuchtigkeitscremes sind hautverträglicher als andere (d.h. sanfter und pH-neutral). Eine ideale Feuchtigkeitscreme besitzt folgende Eigenschaften: 

  • spendet der Haut Feuchtigkeit und verringert den transepidermalen Wasserverlust.,
  • stellt die Lipidbarriere wieder her und erhält sie aufrecht,
  • ist frei von Duftstoffen und hypoallergen.
  • verstopft die Hautporen nicht,
  • ist erschwinglich und leicht zugänglich in der Routineversorgung.

Schulungen von Pflegekräften, Angehörigen und Patienten sind entscheidend, um frühe Warnzeichen zu erkennen und Hautrisse zu verhindern.

Assessment und Klassifikation

ISTAP empfiehlt zudem ein strukturiertes Assessment, das Folgendes umfasst:

  • Anamnese und Risikoeinschätzung
  • Beurteilung von Wundgröße, Tiefe und Hautflappen
  • Nutzung validierter Klassifikationen wie der ISTAP Skin Tear Classification, die Hautrisse systematisch einteilt und die passende Behandlung erleichtert.

Wichtig: Bei der Beurteilung von Hautrissen sollte die Hautfarbe des Patienten berücksichtigt werden, da sich Läsionen je nach Hautton unterschiedlich darstellen können. (siehe auch den Beitrag “Wundversorgung und Hautfarbe: Anzeichen, Symptome und Terminologie für alle Hautfarben”)

Schonende Behandlung

Akute Hautrisse können prinzipiell primär verschlossen werden, etwa mit Nähten, Klammern oder Wundpflastern. Bei älterer, fragiler Haut ist dies jedoch problematisch: Standardverschlussmethoden können die Haut weiter schädigen, insbesondere wenn ein Pflaster versehentlich ablöst oder mechanisch belastet wird. Daher empfiehlt ISTAP keine Standardverschlussmethoden bei typischerweise oberflächlichen Hautrissen älterer Patienten.

Das Ziel der Behandlung ist:

  • Erhalt des Hautlappens, um das verletzte Gewebe maximal zu schonen
  • Schutz des umliegenden Gewebes
  • Vorsichtige Repositionierung oder Wiederanäherung des Hautlappens, ohne die Haut zu dehnen
  • Reduktion von Infektionsrisiko und weiteren Verletzungen

Dabei müssen Begleiterkrankungen, die die Wundheilung beeinträchtigen könnten, stets berücksichtigt werden. Durch diese vorsichtige, strukturierte Vorgehensweise unterstützt man eine möglichst schnelle und komplikationsfreie Heilung.

Wichtig: Bei der Beurteilung von Hautrissen sollte die Hautfarbe des Patienten berücksichtigt werden, da sich Läsionen je nach Hautton unterschiedlich darstellen können. (siehe dazu auch: https://wundnetz-kiel.de/wundversorgung-und-hautfarbe-anzeichen-symptome-und-terminologie-fuer-alle-hautfarben/)

Wundauflagen gezielt auswählen

Wundversorgungsprodukte müssen die Wundheilung optimieren und dürfen das Risiko weiterer Hautschäden und Infektionen nicht erhöhen. Der ideale Verband zur Versorgung von Hautrissen sollte folgende Eigenschaften aufweisen: 

  • Für Absorption sorgen
  • Einfach anzubringen und zu entfernen
  • Gehen Sie beim Entfernen möglichst schonend vor und reduzieren Sie die Schmerzen.
  • Bieten Sie eine schützende Reibungsbarriere
  • Optimieren Sie die physiologischen Heilungsbedingungen (z. B. Kontrolle von Feuchtigkeit, Bakteriengleichgewicht, Temperatur und pH-Wert).
  • Sei flexibel und passe dich den Körperkonturen an.
  • Gewährleisten Sie sicheren, aber nicht aggressiven Halt/Haftung.
  • Unterstützung für längere Tragezeiten
  • Lebensqualität und kosmetische Faktoren optimieren
  • Kosteneffektiv sein (IWII, 2025).

Silikonverbände sollten, sofern verfügbar, verwendet werden, da Studien belegen, dass sie die Heilung von Hautrissen im Vergleich zu nicht-silikonbasierten, nicht-adhäsiven Verbänden verbessern. Sie sind in der Regel schonender als Acrylat-basierte Klebstoffe. Verbände mit einer atraumatischen Wundkontaktschicht (z. B. Lipidokolloidverband, imprägniertes Gaze-Netz, Silikonnetz) eignen sich im Allgemeinen gut für alle Hautrisse (trocken oder exsudativ), da sie den Feuchtigkeitshaushalt bei unterschiedlichen Exsudatmengen aufrechterhalten und eine atraumatische Entfernung ermöglichen, um weitere Schäden an der empfindlichen Haut zu vermeiden (LeBlanc et al., 2018; IWII, 2025). 

Vermeiden Sie jodhaltige Verbände/Produkte, transparente Folien-/Hydrokolloidverbände mit starken Klebstoffen auf Acryl- oder Kautschukbasis, Klebe-Hautverschlüsse und einfache Gaze ohne Silikonkontaktschicht.

Ungestörte Wundheilung (UWH)

Zunehmende Evidenz für die Vorteile von UWH unterstützt den Einsatz von Verbänden mit längerer Tragedauer bei geeigneten Patienten, da sie Folgendes ermöglicht:

  • Optimale Wundheilung 
  • Verringertes Kontaminations-/Infektionsrisiko
  • Kosteneinsparungen (Brindle und Farmer, 2019).

Die Verbandwechselfrequenz sollte nach Möglichkeit auf alle 5–7 Tage reduziert werden. Es gibt jedoch Fälle, in denen eine ungestörte Wundheilung nicht angezeigt ist, beispielsweise bei mäßiger bis starker Exsudatbildung, die zu Verbandssättigung, Durchdringung oder Flüssigkeitsaustritt, übermäßiger Blutung oder Wundmazeration führt. 

Insgesamt machen die ISTAP-Leitlinien deutlich: Hautrisse bei älteren Männern sind vermeidbar und behandelbar, wenn Prävention, strukturiertes Assessment und schonende Versorgung kombiniert werden. Die Anwendung evidenzbasierter Strategien verbessert die Lebensqualität des Patienten, entlastet das Personal und reduziert klinische Belastungen.

Hier finden Sie den kompletten Artikel… (PDF, engl.)

Website des International Skin Tear Advisory Panel (ISTAP)

(Links öffnen in neuem Tab und wurden zuletzt am 12.01.26 abgerufen)

Quelle: Wounds International “Made Easy”-Artikel, 21.07.2025

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